Donnerstag, 14. Juni 2012

Transatlantische Besserwisser


Irving Fisher gehörte in den zwanziger Jahren zu den gefeierten Wirtschaftswissenschaftlern, zu vergleichen nur einem Paul Samuelson oder Joseph Stiglitz in unserer Zeit. Wie nahezu alle Wirtschaftswissenschaftler von internationalem Renommee neigte auch er dazu, sich zu irren – und zwar fundamental zu irren. Noch im Oktober 1929 beruhigte er die Investoren mit der Prophezeiung, dass ihr Geld in Wall Street absolut sicher wäre. Wenige Tage danach stürzten die Kurse ab. (1)

Mit Irving Fishers Renommee war es danach vorbei. Der Wissenschaftler selbst zog für seine Person den durchaus richtigen Schluss, dass Expertentum offenbar nicht vor Irrtümern schützt. Aus heutiger Sicht muss hinzugefügt werden, dass Experten sogar brandgefährlich sind, dann nämlich, wenn durch ihre Ratschläge überhaupt erst eine Entwicklung ermöglicht wird, die dann in die Krise führt. Fisher grübelte übrigens danach im Stillen – denn es war sehr still um ihn geworden - über das eigene Versagen nach und veröffentlichte in dieser Zeit eine höchst bemerkenswerte Schrift: The debt-deflation theory of great depressions. Sie wurde zwar kaum mehr beachtet, doch ist sie vermutlich wichtiger als alles, was er vorher geschrieben hatte.



Dieser Artikel wurde in aktualisierter Form in mein neues Buch aufgenommen:

EuroKalypse Now – Es gibt einen Weg aus der Krise!

Es wird Anfang September dieses Jahres (2012) im Metropolis Verlag erscheinen.

1 Kommentar:

  1. Die beiden amerikanischen Wirtschaftsgurus blenden aus, dass beide Maßnahmen, das Totsparen wie die Flutung mit frischem Geld, am eigentlichen Übel nichts ändern, nämlich an der Konzentration der Vermögen in wenigen Händen und einer untragbaren Schuldenlast auf den Schultern der Bevölkerungsmehrheit. Die Blindheit der beiden Experten ist umso merkwürdiger, als sie aus der eigenen Geschichte die Lösung kennen sollten.

    Könnte es nicht vielleicht einmal einen Gedanken wert sein zu fragen, ob diese 'amerikanischen' Wirtschaftsgurus in Wirklichkeit vielleicht gar keine 'amerikanischen' Wirtschaftsgurus sind? Sondern was??

    Nun, es möchte ja vielleicht die Möglichkeit bestehen, daß Prof. Kevin MacDonald (Culture of Critique) mit seinen Theorien richtig liegt ... und Personen wie die genannten Wirtschaftsgurus in Wirklichkeit eine ganz andere identitäre Zugehörigkeit repräsentieren, der eine 'amerikikanische' (= US-amerikanische) Identititätsmaske nur aufgesetzt worden ist...

    Schlußfolgerung? Die überlasse ich dem geschätzten Leser. Er hat ja einen Kopf - und den hat er nicht umsonst; also möge er ihn auch benutzen. Das Internet hält viele Seiten bereit, die ihm weiterhelfen können auf seiner Suche nach der - hoffentlich(en) - Wahrheit. Beispielsweise den 'Occidental Observer', wenn dieser Hinweis gestattet ist.

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