Freitag, 26. Januar 2018

Die Satansjünger – der Fall Landbauer in Niederösterreich

Es gibt Gedanken, die man verzeihen kann und oft auch verzeihen muss, weil sie zu den stets möglichen Denkalternativen gehören und nicht an und für sich verwerflich sind, auch wenn sich ihre Folgen oft als unmenschlich erweisen. Ich persönlich hatte zum Beispiel von Anfang an Verständnis dafür, dass ein großer Teil der deutschen ebenso wie der österreichischen Bevölkerung die Einwanderung – auch den Zuzug von Asylanten – auf ein erträgliches Maß begrenzen wollte. In diesem Sinne hatte ich, obwohl in vielen Fragen eher links und in manchen sogar – wie zumindest andere behaupten - sehr links orientiert, gegen eine rechte ÖVP-Regierung nichts einzuwenden und verstehe auch die Haltung der osteuropäischen Länder, die sich gegen die Politik der europäischen Kommission aussprechen.

              Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass eine solche Politik kalt und unmenschlich ist (die Staatshäupter Nordafrikas wurden und werden für die Unmenschlichkeit einer brutalen Grenzsicherung von der EU bezahlt, damit wir uns die Hände in Unschuld waschen können). Andererseits wäre es eine gleich große Unmenschlichkeit der eigenen Bevölkerung gegenüber, wenn wir unsere Grenzen einfach für alle öffnen würde, denn ohne die Wachhunde, die dies verhindern, würde ein Millionenheer vom Süden und Osten her gen Europa anrücken. Deutschland und Österreich haben es bisher nicht einmal geschafft, die schon vorhandenen Fremden so einzubürgern, dass sie zu gleichberechtigten und gleichgeachteten Mitbürgern werden. Da konnte man nur kopfschüttelnd konstatieren, dass sich einige Politiker und ihre Parteien eine Zeitlang zuzutrauen meinten, sie könnten und müssten jede Menge an Fremden bei sich beherbergen.
              Es gibt Probleme, bei denen jede Lösung zu Unmenschlichkeit führt, das Problem einer – wie man noch vor kurzem sagte – unbegrenzten Einwanderung gehört sicher dazu. Daher kann ich niemanden von vornherein verdammen, der sich zu einer von ihnen bekennt. Es gibt aber auch politische Vorsätze, die man nicht an und für sich als unmoralisch verwerfen kann – sie sind nur überflüssig oder nicht opportun in einer bestimmten historischen Konstellation. Dazu gehört zum Beispiel die in der FPÖ verbreitete Sehnsucht nach einem Zusammenschluss aller deutschsprachigen Menschen in einer größeren politischen Einheit. Dass sich Menschen derselben Sprache und mit weitgehend ähnlichen Wertmaßstäben zusammenschließen, ist ein durch die ganze Geschichte bezeugtes Bestreben, das auch der Wiedervereinigung der Deutschen zugrunde liegt. Man kann dagegen einwenden, dass die staatliche Unabhängigkeit gleichsprachlicher Gebiete auch ihre Vorzüge besitze, weil sie die Verwirklichung unterschiedlicher politischer Konzepte erlaubt und daher auch eine größere Entfaltung der Ideen und Institutionen. In der heutigen Zeit wird man überdies anmerken können, dass es in einem geeinten Europa wohl kaum Sinn ergibt, die Grenzen zu verschieben und dass die in der FPÖ und den Burschenschaften umgehende Vorstellung von einem neu erstehenden Großdeutschen Reich, das in der Welt wieder zu einem Machtfaktor werden soll, von aller Realität so weit entfernt ist, dass es wohl besser sei, solche Phantastereien endgültig zu begraben. Dennoch erscheint es mir wichtig, darin eben nur eine Realitätsverweigerung zu sehen - Phantastereien eben, die aber auf einem Bestreben begründet sind, das für sich genommen nicht moralisch verwerflich genannt werden kann.
              Verwerflich in meinen Augen ist auch nicht die Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft, auch Max Weber war Mitglied einer solchen, nämlich der Allemannia Heidelberg, und zwar immerhin für die Dauer von 36 Jahren. Burschenschaften sind in Verruf geraten, weil die Verherrlichung des eigenen Volks und seiner Traditionen in der Regel mit unkritischer Ablehnung alles Fremden einhergeht. Es gehört aber gerade zur besten deutsch-österreichischen Tradition – siehe Max Weber –, für das Fremde im höchsten Grade empfänglich zu sein. Patriotismus im Sinne einer Verantwortung dafür, dass der einzelne ebenso wie die politische Gemeinschaft als ganze das Beste aus dem je Eigenen macht – wenn auch in steter Auseinandersetzung mit den Ideen anderer – erscheint mir nicht nur richtig, sondern ich sehe darin die Quelle eines durch Vernunft geleiteten Lebens, denn der einzelne und die politische Gemeinschaft haben kein anderes als ihr je eigenes Leben, aus dem sie das Beste machen sollten. So gesehen bezeichne ich mich selbst durchaus als Patrioten, denn ich bewundere jede Institution, also auch Burschenschaften, wenn diese das Erbe Max Webers – immerhin eines der größten Deutschen – in einem solchen Sinne verstehen. Nur halte ich es leider für möglich, dass die Realität eine ganz andere ist. In solchen Kreisen hat ja der krasse Chauvinismus, d.h. bierbäuchige Dummheit, weit eher das Sagen. Max Weber ist ja wohl auch deshalb am Ende ausgetreten.
              Der Leser diese Zeilen hat ganz richtig geahnt, dass ich der neuen Regierung eine gewisse Sympathie entgegenbrachte, weil ein besonderer Realitätssinn eben auch nicht zu den hervorragenden Eigenschaften des linken Lagers gehört. Aber nun ist etwas geschehen, vor dem kein Deutscher die Augen verschließen darf, denn bis zum Jahre 1933 hatten sie ebenso viel Grund mit ihrer Geschichte im Reinen und auf vieles sogar stolz zu sein wie alle anderen großen Kulturnationen. Dann aber kam ein Mann, der die gemeinsame Geschichte auf eine Art und Weise besudelte, die den Nachgeborenen bis heute die Scham in die Wangen treibt. Er hat Bürger als Untermenschen stigmatisiert, die längst zu Deutschen geworden waren – viele von ihnen durch Können und Intelligenz sogar zu exemplarischen Deutschen. Er hat wehrlose Menschen auf die feigste Art industriell wegmorden lassen. Die Nazis und ihre unbelehrbaren Bewunderer reden gerne von Ehre, aber keine Zeit hat eine solche Ehrlosigkeit bewiesen wie die dreizehn Unglücksjahre des Tausendjährigen Reichs.
              Ich gehe so weit, Hitler nicht dafür als teuflische Geschichtsfigur zu verdammen, dass er einen beschämenden Friedensschluss propagandistisch in eine Dolchstoßlegende ummünzte, um dann einen Krieg anzuzetteln. Kriege richten zwar immer das größte Unheil an – nichts als gegenseitiges Totschlagen und Verwüsten alles zuvor mühsam Geschaffenen -, aber mit demselben Recht müsste man, angefangen bei Alexander und Napoleon, auch die ganze Reihe jener vermeintlichen Helden verdammen, vor denen ein Großteil der Menschheit bis heute in Demut erstarrt. Es ist ja nicht ganz unmöglich, Hitler in die Reihe jener Staatsmänner zu stellen, die nach Karl dem Großen, Karl dem Fünften und Napoleon den Versuch unternahmen, Europa mit Gewalt zu einer Einheit zusammenzuschweißen. So kann man es zumindest sehen und dem Grauen des Kriegs so etwas wie ein Mindestmaß an Sinn zuschreiben.
              Aber keine denkbare Entschuldigung, keine mögliche Ausrede und nicht die geringste Beschönigung ist angesichts eines Massenmords an wehrlosen Bürgern möglich, seien es Sintis, Romas, Juden oder die Armenier anderer Länder. Die deutsch-österreichische Geschichte ist reich an Ideen, großen Geistern, reich auch an Absurditäten und Entgleisungen wie alle Geschichte. Aber das feige Abschlachten von Frauen, Kindern und wehrlosen Männern ist nichts anderes als teuflische Besudelung. Menschen, die sich dessen bis heute rühmen, zählen in meinen Augen selbst zu Verbrechern.

              Und Verbrecher sind auch alle jene, die nicht aufschreien, wenn sie Zeilen wie diese lesen: „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million“. Nicht nur jener einzelne Pensionist, der sie zu Papier gebracht hat, sondern alle, die sie gesungen oder auch nur gehört oder gelesen haben, ohne dabei aufzuschreien – und das sind wahrscheinlich sämtliche Mitglieder der Germania - zählen in meinen Augen zu der Kategorie der ehrlosen Verderber, Besudler, Verschmutzer unserer Geschichte, welche diese weiterhin so schänden, wie es vor ihnen die Nazis taten. Solche Menschen sind keine Patrioten, die das Beste aus der gemeinsamen Geschichte machen – sie sind deren Totengräber. Ich möchte sie – mit bewusstem Pathos – die Jünger Satans nennen, denn nur wer im Dienste des Teufels steht, kann sich (in Gesang!) über das Abschlachten einer weiteren Million von Menschen erheitern. Diese Satansjünger sind Feinde all dessen, was Deutsche und Österreicher an Wertvollem geschaffen haben. Sie sind auch die Feinde der Zukunft, die sie für kommende Generationen vergiften.so viel ist klar, sie geschriebess als Vorlage für gemeinsame Sauflieder diente, haben nicht aufgeschrieben, schen anan Absurdit

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